„Arbeitswelten kennenlernen“ – Junge Zuwanderer besuchen NATURIN in Weinheim

Junge Zuwanderer bekamen am Mittwoch, den 20. Juli 2016, bei der Naturin Viscofan GmbH einen Einblick in das Berufsleben und den Ausbildungsalltag. Beim Pilotprojekt „Arbeitswelten kennenlernen“ trafen sich Schüler der Klasse VAB-o der Hans-Freudenberg-Schule in Weinheim mit Auszubildenden der Naturin. Die Jugend- und Auszubildendenvertretung der Naturin hatte sie eingeladen, sich den Alltag von Azubis vor Ort anzuschauen und dabei Informationen rund um Ausbildung aus erster Hand zu bekommen.

Lamin, Modou, Ahmet, Krystyna und Massimo (Namen der Schüler geändert) waren ein wenig aufgeregt, als sie um kurz vor halb neun mit ihren Betreuern bei der Naturin Viscofan GmbH in Weinheim eintrafen. „Arbeitswelten kennenlernen“ stand auf dem Stundenplan der fünf Schüler der Klasse VAB-o der Hans-Freudenberg-Schule in Weinheim. Diese Klasse besteht aus insgesamt 18 jungen Zuwanderern und Geflüchteten zwischen 16 und 22 Jahren. Sie stammen aus Europa, Afrika und dem arabischen Raum und werden schrittweise auf den Einstieg in die Arbeitswelt vorbereitet.

Die Projektidee zu „Arbeitswelten kennenlernen“ entstand im „Arbeitskreis Flüchtlinge“ des Weinheimer Bündnis Ausbildung. In diesem Netzwerk setzen sich die Stadt, Weinheimer Unternehmen und weitere Akteure wie die Jugendagentur Job Central für Bildungs- und Berufschancen für junge Menschen ein. Naturin Viscofan GmbH erklärte sich als erstes Unternehmen bereit, das Pilotprojekt durchzuführen. Der Weinheimer Wursthüllenhersteller unterstützt bereits etliche Initiativen rund um den Berufseinstieg, so zum Beispiel das Bündnis für Ausbildung Weinheim. „Die Idee, jungen Zuwanderern einen Einblick in die Arbeitswelt zu ermöglichen, hat uns direkt angesprochen“, berichtet Uwe Seehaus, Personalleiter bei Naturin Viscofan GmbH. „Daher waren wir gerne bereit, es als erstes Unternehmen des Ausbildungsbündnisses Weinheim in einem Pilotprojekt umzusetzen. Wir hoffen sehr, dass andere Unternehmen in und um Weinheim unserem Beispiel folgen.“

Insa Curic von Job Central betreut die Schüler als Berufsbildungslotsin, gefördert durch den ESF (Europäischen Sozialfond) und die Freudenberg-Stiftung. Sie freut sich, mit Naturin einen engagierten Partner für das Pilotprojekt gefunden zu haben. „Für die Jugendlichen ist es wichtig, dass sie neben Informationen über Berufe auch die Chance bekommen, ihre Vorstellungen im Kopf mit der Realität abzugleichen“, unterstreicht sie die Wichtigkeit des „Arbeitswelten kennenlernen“-Projektes.

Die konkrete Umsetzung und Planung hat das Organisationsteam um Jennifer Fiebiger, Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Naturin, übernommen. Für das Pilotprojekt wurden fünf Schüler und ebenso viele Auszubildende ausgewählt. „Unser Ziel ist es, dass die jungen Zuwanderer die Arbeitswelt eines Auszubildenden kennenlernen und dass sie auch direkt miteinander in Kontakt kommen“, so Fiebiger. Bei der Gestaltung des Tages wurde daher viel Wert darauf gelegt, dass es genügend Zeit für den persönlichen Austausch zwischen Schülern und Azubis gibt.

Gestartet wurde mit einem lockeren Kennenlernspiel. Mit Fragen wie „Welche Hobbys hast du?“ oder „Welches Essen magst du?“ wurde das Eis schnell gebrochen und die „Paare“ – jeder Schüler bekam einen Azubi als Kurzzeit-Pate – gebildet. Beim anschließenden Frühstück erzählten die Auszubildenden über ihre Ausbildungswege und Lebensläufe und lieferten anschauliche Beispiele und gleichzeitig Einblicke in das Bildungssystem in Deutschland. Weiter ging es mit Informationen zum Unternehmen Naturin und zu den Ausbildungsmöglichkeiten. Die Präsentation war auf die eingeschränkten Deutschkenntnisse der Schüler angepasst und Begriffe aus dem Arbeitsalltag wie Geselle, Wartung oder Schichtsystem wurden erklärt. Die Vorstellung der jeweiligen Ausbildungsberufe übernahmen die Azubis Nils Drücker, Philipp Gregor (beide Industriemechaniker), Andreas Maier (Elektroniker für Betriebstechnik), Nils Kalinowski (Maschinen- und Anlagenführer) sowie Lena Retzbach (ausgelernte Industriekauffrau) selbst.

Rolf Walter, Mitarbeiter der Abteilung Qualitätsmanagement, führte die Gruppe danach durch die Produktionsbereiche und zeigte, welchen Weg die Unterhaut eines Rinds (die Rohware für die Collagen-Kunstdärme) innerhalb der Naturin nimmt, bis am Ende die fertige Wursthülle herauskommt. Während die Schüler Antworten auf Fragen wie „Wie viele Tonnen passen in den Mixer?“ oder „Woher kommen die Rohstoffe?“ bekamen, diente ein Poster auf dem Weg dem Anschauungsunterricht mal andersherum. „Solche haben wir in Gambia“, sagte Modou und zeigte auf eine abgebildete Rinderrasse mit markanten, gedrehten Hörnern.

In den Werkstätten gab Uwe Merker, der Leiter der Kopfschlosserei, einen Einblick, welche handwerklichen Fähigkeiten zur Wartung und Reparatur der Produktionsmaschinen benötigt werden. Nach so viel Informationen wurde es praktisch: Mit ihren Paten fertigten die Schüler Buchstützen aus Metall. Bei dieser gemeinsamen Arbeit wurden nicht nur die handwerklichen Fähigkeiten wie Schleifen oder Sägen trainiert, sondern gleichzeitig auch der Wortschatz erweitert und neue Fachbegriffe gelernt.

Zum Abschluss gab es ein gemeinsames Mittagessen in der Naturin-Kantine, bei dem der Austausch munter weiterging. In der Abschlussrunde wurde ein durchweg positives Fazit des Tages gezogen. „Mir hat der Tag gefallen, weil die Schüler so interessiert waren und ich ihnen zeigen konnte, was ich in meiner Ausbildung so mache“, fasste Naturin-Azubi Andreas Maier seine Eindrücke zusammen. Und er nimmt auch selbst etwas mit aus dem Tag: „Ich habe heute gelernt, dass gute Chancen nicht selbstverständlich sind.“ Den Schülern hat besonders die praktische Arbeit Spaß gemacht und neue Anregungen geliefert. Massimo denkt jetzt über ein Praktikum im Handwerk nach und Lamin wurde in seinem Wunsch bestärkt, die Berufsfachschule Metalltechnik zu besuchen.

Für Thomas Böhler, Leiter des Personalbereiches Tarifbeschäftigte bei der Naturin und Mitglied im Arbeitskreis Flüchtlinge der Zweiburgen Talente, war der Tag rundherum gelungen. „Mit so einem Projekt können wir den Jugendlichen aktiv bei der Integration helfen und Ihnen Ausbildungsmöglichkeiten näher bringen. Der Einblick in die Arbeitswelt hier ist wichtig, damit sie hier Fuß fassen können.“